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  • Justin Schirlo

Resilienz



Heute habe ich ein Wort für euch. Und das Wort lautet: „Resilienz“. Als mir ein paar meiner Freunde den Rat gegeben hatten, meine Geschichte und meine damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung zu teilen, wusste ich nicht, wie und wo ich anfangen sollte. Doch dann stieß ich auf dieses Wort und seine Bedeutung sprach zu mir.


Resilienz von lateinisch resilire: zurückspringen, abprallen,

nicht anhaften


In der Psychologie bezieht sich Resilienz auf die Fähigkeit eines Menschen, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen, sich von Rückschlägen zu erholen und sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Resiliente Personen zeigen Anpassungsfähigkeit, Belastbarkeit und die Fähigkeit, positive Bewältigungsstrategien einzusetzen, um mit Stress, Trauma oder anderen Herausforderungen umzugehen. Sie können Probleme als vorübergehend betrachten, haben ein unterstützendes soziales Netzwerk und sind in der Lage, aus Erfahrungen zu lernen, um ihre psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken.


Die 7 Säulen der Resilienz: Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Verantwortung, Soziale Bindungen, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung, sie bilden die Grundlage für ein starkes und belastbares Mindset.



Schon als kleines Kind litt ich besonders stark unter den schmerzhaften Erfahrungen des Lebens. Dazu gehörten vor allem die gewaltvolle Trennung meiner Eltern und das Mobbing in der Schule. Ich war klein, schwach und sehr sensibel, ich hatte nie den Mut und die Kraft, mich zu wehren. Auch zuhause fühlte ich mich nicht sicher und von beiden Eltern verstoßen. Ich entwickelte eine Depression und infolgedessen wurde ich noch ruhiger und fing an, meine Haare zu verlieren. Meine Kindheit war schmerzvoll und die Menschen die mich hätten beschützen sollen, taten dies nicht. Ich erinnere mich daran, dass ich oft zu Bett ging und das Universum weinend anflehte „mein Leben zu nehmen oder mir ein anderes zu schenken“. Ich wollte ein liebevolles Zuhause, zwei Eltern die mich lieben und die Kraft mich in der Schule gegen die anderen Jungs zu behaupten. Doch das Universum antwortete nicht.


Ich fing an, mich in meine Fantasie und in meine Träume zu verkriechen. Die Menschen um mich herum, nannten mich einen „Träumer“. Wo ich nur konnte, verließ ich die Realität und ging in meine kleine heile Welt. Noch heute glaube ich, dass diese Zeit meine Kreativität unglaublich gefördert hat.

Mit der Pubertät wechselte ich auf eine andere Schule, und wir zogen in eine andere Stadt. Dort konnte ich von vorn beginnen, und die Dinge wurden wenigstens für eine Weile etwas besser. Doch auch in der neuen Stadt und an der neuen Schule wurde ich Opfer von Mobbing. Diesmal jedoch hatte ich eine Handvoll wunderbarer Freunde, die mich verteidigten und auffingen. Mir wurde der Wert von wahrer Freundschaft bewusst, und noch heute weiß ich ihn so sehr zu schätzen. In schweren Zeiten konnte ich mich nicht immer auf meine Familie verlassen, jedoch immer auf meine besten Freunde. Als ich mit 17 Jahren nach Los Angeles in die USA ging, erlebte ich das beste Jahr meines Lebens. Ganz weit weg von zuhause und meinem ehemaligen Leben konnte ich zum allerersten Mal wirklich ich selbst sein. Bis auf eine Ausnahme. Ich fing an zu realisieren, dass ich mich zu Jungs hingezogen fühlte und nicht zu Mädchen.


Zurück in Deutschland flog ich noch eine Weile auf den neugewonnenen Rückenwind aus meiner Zeit in den USA. Ich fühlte mich stark und selbstbewusst. Ich hatte gerade ein ganzes Jahr allein auf der anderen Seite der Welt, bei ganz fremden Menschen, in einer fremden Kultur und auf einer anderen Sprache überlebt. Warum sollte ich dann nicht auch hier überleben können? Doch die Last meines alten Lebens holte mich ein und begrub mich unter sich. Das Mobbing ging weiter und wurde so schlimm, dass ich physisch und psychisch verletzt keinen Fuß mehr in die Schule setzen wollte. Ich schwänzte wochenlang jeden Tag, jede Stunde. Ich weiß noch, wie ich meiner Mutter vorgaukelte, zur Schule zu gehen. Ich habe mich jeden Morgen fertig gemacht und pünktlich das Haus verlassen. Doch ging ich nur zur Anhöhe auf die andere Straßenseite, von der aus ich unseren Hauseingang beobachten konnte. Dort wartete ich, bis meine Mutter das Haus für die Arbeit verließ. Dann ging ich zurück und spielte den ganzen Tag Videospiele, erneut zog ich mich in eine Welt zurück, fern meiner düsteren Realität. Solange, bis ich das Haus wieder verlassen musste, bevor meine Mutter von der Arbeit zurückkam. Das alles nahm ein Ende, als der Schuldirektor meine Mutter anrief, um ihr mitzuteilen, dass ich keinen Abschluss erhalten werde. Doch mein größtes Problem war die Erkenntnis, dass ich anders war.


Ich musste mir eingestehen, dass ich schwul bin. Und das war damals so überwältigend für mich, dass ich den Beschluss fasste, nicht mehr leben zu wollen. Doch wie meine beste Freundin einst zu mir sagte, „das Feuer in dir brannte stärker, als das Feuer um dich herum“. Ich verließ die Schule und machte nie das Abitur. Eines der wenigen Dinge in meinem Leben, die ich noch heute wirklich bereue. Und erneut fasste ich einen Entschluss: alles und jeden hinter mir zu lassen, der mich nicht so akzeptieren konnte, wie ich nun einmal war. Meine Freunde hielten zu mir. Ein Teil meiner Familie tat sich anfangs schwer, aber Zeit sollte helfen. Ich hatte überlebt, und von nun an war mein Blick ausschließlich nach vorn gerichtet. In den kommenden Jahren verliebte ich mich, zog nach Berlin und begann, die Grundsteine für die Erfüllung meiner Lebensziele zu setzen. Das Leben meiner Träume begann sich vor meinen Augen zu entfalten. Das Universum hatte endlich geantwortet. Und es sagt zu mir: „Danke, dass du nie aufgegeben hast.“



Ich werde weiterhin mit euch teilen, was ich alles auf meinem Weg gelernt habe.


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